Das Kanban Board – ein ideales Tool zum selbstorganisierten Lernen.

„Ich habe bei den ganzen Aufgaben, die wir bekommen, irgendwie den Überblick verloren“ oder „Was musst du denn noch alles erledigen“ oder „Ich bearbeite gerade fünf Sachen gleichzeitig“. So oder ähnlich hören sich Gespräche in Familien derzeit an. Alle Schülerinnen und Schüler in Deutschland lernen während der Schulschließungen im Zuge der Bekämpfung des Corona-Virus von zu Hause. Über die verschiedensten Kanäle bekommen sie Aufgaben von ihren Lehrerinnen und Lehrern. Bei vielen kann die bekannte Struktur des Stundenplans nicht mehr aufrecht erhalten werden. Das führt zu Unsicherheiten und zum Teil zu Überforderung. Da bedarf es jetzt einer höheren Selbstorganisation als vorher. Unternehmen nutzen für solche Herausforderungen das Kanban Board. Eine beliebte Methode, die auch für Schüler eine Lösung sein kann.

DAS KANBAN BOARD

Das Kanban Board wurde in der 1940er Jahren vom Automobilkonzern Toyota entwickelt, um den Fertigungsprozess zu verbessern. Daher kommt auch der Begriff Kanban aus dem Japanischen und heißt übersetzt Signalkarte(kan = Signal, ban = Karte). Mittlerweile wird die Methode in fast allen unternehmerischen Bereichen eingesetzt. 

Das Kanban-Board ist eine horizontal ausgerichtete Tafel, auf der sich Aufgaben und Arbeitsabläufe visualisieren lassen. Die Aufgaben werden auf Klebezetteln erfasst, die je nachdem, welchen Bearbeitungsstand sie haben, auf dem Board von Spalte zu Spalte wandern. Das Kanban Board wird in der Grundversion in drei Spalten mit den folgenden Bezeichnungen unterteilt.

TO DO (AUFGABE) In dieser ersten Spalte werden alle zu erledigenden Aufgaben erfasst. Damit hat diese Spalte Ähnlichkeit mit einer klassischen TO DO Liste. 

DOING (IN BEARBEITUNG) In der zweiten Spalte werden die Aufgaben aufgelistet, mit deren Umsetzung man bereits begonnen hat. 

DONE (ERLEDIGT) In diese Spalte wandert der Klebezettel erst, wenn die Aufgabe tatsächlich vollständig erledigt ist. 

Klingt simpel? Ist es auch. Gerade weil die Methode so einfach ist, kann sie sie von jedem umgesetzt werden. Auf einen Blick kann man sehen, was alles zu erledigen ist und vor allem auch, welche Aufgaben bereits erledigt sind. Die leichte Erfassung liegt auch daran, dass das Gehirn das Kanban Board als Bild wahrnimmt und nicht als Text und daher wesentlich schneller verarbeiten kann. 

Vielen Schülern macht schon die Einrichtung des persönlichen Kanban Boards Freude. Die vielen Aufgaben, die sie gerade von ihren Lehrern erhalten, schreiben sie jeweils auf einen Klebezettel. Damit machen Sie sich auch die Aufgabenstellung noch einmal ganz bewusst, formulieren sie bei Bedarf auch mit ihren eigenen Worten. So entsteht eine Sammlung aller zu erledigenden Aufgaben für einen Tag oder eine Woche. 

Während es für die Anzahl der Aufgaben in der linken Spalte TODO und der rechten Spalte DONE keine Einschränkung gibt, sollte man sich für die mittlere Spalte DOING einen eigenen Höchstwert festlegen, der die Anzahl der Aufgaben, die gleichzeitig in Bearbeitung sind, begrenzt. So kann man sicher zwei Aufgaben gleichzeitig bearbeiten, aber zu viele parallel bearbeitete Aufgaben führen eher zu Verzögerungen im Ablauf. Bei der Erfindung von Kanban im Automobilkonzern Toyota war übrigens genau das das Ziel: die Verzögerungen zu minimieren. Dazu gibt es in Kanban auch einen Slogan: Stop Starting. Start Finishing. Statt also jede Menge Aufgaben anzufangen und gleichzeitig zu bearbeiten, sollte lieber jede einzelne Aufgabe zuerst beendet werden, bevor man sich einer neuen widmet.

Für jeden Schüler dürfte aber die letzte Spalte die schönste sein. Rückblickend zu sehen, was man alles schon geschafft hat, damit zufrieden zu sein oder manchmal auch sogar darauf stolz zu sein. Die Frage vieler Eltern „Was hast Du denn heute eigentlich gemacht?“ kann dann vielleicht zu einer Aussage „Klasse, was Du heute alles geschafft hast.“ werden. 

KANBAN ALS TOOL FÜR DIE GESAMTE FAMILIE

Natürlich kann man auch für die gesamte Familie ein Kanban-Board einrichten. Die Spaltenbezeichnungen ändern sich nicht. Es besteht aber natürlich die Möglichkeit, jedem Familienmitglied eine eigene Zeile zuzuordnen oder den beteiligten Personen verschiedene Farben der Klebezettel zuzuordnen. Durch die Darstellung entsteht ein hohes Maß an Transparenz. Mit einem Blick ist erkennbar, wer was gerade macht, wer bei einer Aufgabe gerade Hilfe braucht, und wer gerade Zeit hat, den anderen zu unterstützen. Dabei können sich nebenbei auch Rücksichtnahme und Teamgeist entwickeln. Wer will, kann sogar mit der Familie ein tägliches Kanban Meeting abhalten. Aufgaben, die sich im Gespräch für den anstehenden Tag oder die Woche ergeben, werden in die Spalte TO DO aufgenommen. Ist eine Aufgabe erledigt, so wird sie in der Regel mit großer Freude in die Spalte DONE verschoben. 

Probiert es einfach mal aus. Einen Platz für das persönliche Kanban Board oder das der Familie findet sich immer. Am Ende gilt: Kanban ist eine Methode, die sich entwickeln kann und die jeder für sich persönlich anpassen kann. Nur so lässt sich der größte Nutzen daraus ziehen. Lernt aus der Anwendung und findet heraus, wie Euer perfektes Kanban Board aussieht. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.